Myome: Alles über Symptome, Ursachen und Behandlungen


28. Januar 2021
Was sind Myome?

Myome sind Muskeltumore, die in der Gebärmutterwand (Gebärmutter) wachsen und fast immer gutartig. sind. Sie können als ein einzelner Tumor wachsen, oder es können viele von ihnen verstreut in der Gebärmutter sein. Sie können so klein wie ein Apfelkern oder so groß wie eine Grapefruit sein. In ungewöhnlichen Fällen können sie sehr groß werden und  dazu führen, dass sich der Bauch (Magenbereich) vergrößert, wodurch die Frau schwanger aussieht.

Warum ist es wichtig, dass Frauen über Myome Bescheid wissen?

Etwa 20 bis 80 Prozent der Frauen entwickeln bis zum 50. Lebensjahr Myome. Nicht alle Frauen haben Symptome. Andere leiden extrem unter den Wucherungen, haben Schmerzen und starke Menstruationsblutungen. Myome können auch Druck auf die Blase ausüben, was zu häufigem Wasserlassen führt.

In diesem Video mit Prof. Ingrid Gerhard erzählt die bekannte Autorin und Gynäkologin mehr über die Faktoren, die Myome begünstigen.

Wer bekommt Myome?

Es gibt Faktoren, die das Risiko erhöhen, Myome zu entwickeln. Hier sind die wichtigsten Punkte auf einen Blick:

  • Alter: Myome treten häufiger auf, wenn Frauen älter werden, vor allem in den 30er und 40er Jahren bis hin zu den Wechseljahren. Nach den Wechseljahren schrumpfen die Wucherungen in der Regel und die Beschwerden klingen ab.
  • Familiäre Veranlagung: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, oder besser gesagt: Wenn ein Familienmitglied Myome hat oder hatte, erhöht sich das Risiko, selbst ein Myom zu entwickeln. Im Durchschnitt ist das Risiko dann dreimal höher als bei einer Frau, die ohne eine erbliche Vorgeschichte ist.
  • Ethnische Herkunft: Afroamerikanische Frauen entwickeln häufiger Myome als weiße Frauen.
  • Adipositas:  Übergewicht erhöht die Gefahr zwei- bis dreimal mehr an Myomen zu erkranken.
  • Ernährung: Gute Nachrichten für Gemüsefans: Wer viel Gemüse isst, scheint ein geringeres Risiko zu haben, Myome zu entwickeln. Viel rotes Fleisch erhöht hingegen die Anfälligkeit und scheint das Wachstum der gutartigen Tumore zu begünstigen.

Hier eine Einschätzung von Prof. Ingrid Gerhard:

„Die Genetik spielt sicher eine Rolle. Das Risiko ist erhöht bei Frauen, deren Mütter oder Schwestern auch Myome haben. Das Risiko ist bei bestimmten Ethnien erhöht, schwarzhäutige Frauen bekommen leichter und mehr Myome als hellhäutige. Aber das sind alles Gründe, die wir durchaus durch unseren Lebensstil verändern und anpassen können.

Die Genetik heißt nicht unbedingt, dass ich das 100% kriege, sondern meine Veranlagung ist etwas stärker als bei einigen anderen. Was sicher eine Rolle spielt in den letzten Jahrzehnten ist, dass sich unsere Lebensbedingungen und die Ernährung verändert haben. Wir nehmen viel zu wenig gute Pflanzenstoffe auf, und viel zu viele einfache Kohlenhydrate.

Die Hormonbelastung der Umwelt hat sehr stark zugenommen. Es gibt mittlerweile auch schon im Sonnenschutzmittel und im Fleisch Hormone. So dass der Körper der Frau nicht nur ihren eigenen Hormonen ausgesetzt ist, sondern auch einer Vielzahl von Hormonen aus der Umwelt. Aber über unseren Lebensstil können wir einiges verändern.“

Wie entstehen Myome?

Ab dem 35. Lebensjahr ist jede dritte Frau eine potenzielle Myombetroffene. Das Wachstum der Myome ist an die Funktion der Eierstöcke gebunden. Es gibt keine Uterusmyome bei Kindern und keine Neuentstehung von Myomen nach den Wechseljahren.

Forscher glauben, dass mehr als ein Faktor eine Rolle bei der Entstehung von Myomen spielen könnte. Einerseits kann es hormonell durch den Östrogen- und Progesteronspiegel verursacht sein, gleichzeitig kann eine genetische Vorbelastung vorliegen, die das Wachstum verursacht.

Da niemand genau weiß, was Myome verursacht, wissen wir auch nicht, was sie zum wachsen oder schrumpfen bringt. Wir wissen, dass sie unter hormoneller Kontrolle sind — sowohl Östrogen und Progesteron. Sie wachsen schnell während der Schwangerschaft, wenn der Hormonspiegel hoch ist. Sie schrumpfen, wenn Anti-Hormon-Medikamente eingenommen werden. Sie hören auch auf zu wachsen oder zu schrumpfen, sobald eine Frau die Wechseljahre erreicht hat.

Nach dem Ausbleiben der Regelblutung (= Menopause oder Wechseljahre) bildet sich diese Östrogen-abhängige Tumore in der Größe zurück, da mit dem Wegfall des monatlichen Zyklus auch die stimulierende Hormonproduktion abfällt.

Hier ein Auszug aus dem Gespräch mit Prof. Ingrid Gerhard:

„Myome sind Knoten in der Gebärmutterwand. Man dachte immer, dass seien Muskelknoten aber offenbar werden diese Muskeln durch Kollagen ersetzt. Diese Knoten sind abhängig von den weiblichen Hormonen. Deshalb treten sie nur auf in der Phase zwischen der Pubertät und den Wechseljahren. Was sie genau sind, wissen weil leider bis heute nicht.

Aber wir haben inzwischen sehr viele Einflussfaktoren, die das Myom-Wachstum anregen oder bremsen können. Ungefähr 30% der Frauen erkranken im Laufe ihres Lebens an Myomen. In den letzten Jahrzehnten sind es sehr viel mehr geworden weil regelmäßig Ultraschall gemacht wird und das Bewusstsein für Myome gewachsen ist.“

Wo können Myome wachsen?

Die meisten Myome wachsen in der Gebärmutterwand. Mediziner teilen sie – je nach dem Wachstumsort – in drei Gruppen ein:

  • submukös: Die Myome wachsen direkt unter der Gebärmutterschleimhaut.
  • intramural: Die gutartigen Muskelknoten befinden sich in der Muskelschicht der Gebärmutter.
  • subserös: Die Myome bilden sich auf der Gebärmutteraußenseite unter dem Bauchfell.
  • intrazervikal: Die Geschwulste wachsen in den Muskelschichten um den Gebärmutterhals (Zervixmyome)
  • intraligamentär: Myome entwickeln sich in den Bindegewebsschichten, seitlich der Gebärmutter
  • gestielt intrakavitär: Die Knoten ragen ins Innere der Gebärmutter hinein.

Was sind Myome?

Welche Symptome können Myome verursachen?

  • Schwere Blutungen, die schwer genug sein können, um Anämie oder schmerzhafte Perioden zu verursachen
  • Druckgefühl im Beckenbereich (unterer Magenbereich)
  • Vergrößerung des Unterbauchs
  • Häufiges Wasserlassen
  • Schmerzen beim Sex
  • Schmerzen im unteren Rückenbereich
  • Komplikationen während der Schwangerschaft, einschließlich eines sechsmal höheren Risikos für Kaiserschnitt
  • Unfruchtbarkeit oder Probleme, schwanger zu werden

Kann aus Myomen Krebs werden?

Myome sind äußerst selten bösartig (weniger als ein Prozent der Fälle). Die medizinischen Fachbegriffe für bösartige Myome sind Myosarkom oder Uterussarkom. Eine solche Entartung der gutartigen Muskelknoten kommt fast ausschließlich in oder nach den Wechseljahren vor. Eine rechtzeitige Behandlung ist daher sehr wichtig.

Myome in der Schwangerschaft

Üblicherweise müssen Myome, wenn sie zuvor keine Beschwerden mit sich gebracht haben, auch während einer Schwangerschaft nicht behandelt werden. Die Wucherungen können jedoch in dieser Zeit aufgrund des erhöhten Östrogenspiegels schneller wachsen. Beschwerden bzw. Komplikationen verursachen durchwegs Myome, die über 4 cm groß sind. So kann es etwa zu Lageanomalien des Kindes kommen. Liegt das Myom nahe dem Muttermund, wird meist ein Kaiserschnitt empfohlen.

Auch vorzeitige Wehen sind mögliche Komplikationen. Bei submukösen Myomen (unter der Gebärmutterschleimhaut liegend) können Risiken einer Eileiterschwangerschaft oder einer Fehlgeburt hinzukommen. Große intramurale Myome können im Zuge der Geburt einen hohen Blutverlust mit sich bringen. Myome gehen nicht mit der Plazenta ab, sondern bleiben in ihrer Ausgangslage. Sie verringern sich jedoch üblicherweise wieder auf ihre ursprüngliche Größe.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Ob Sie Myome behandeln lassen sollten, hängt davon ab, ob die Geschwulste Beschwerden verursachen und wie stark diese sind. Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die sich nach den Symptomen, der Größe, Anzahl und Lage der Muskelknoten sowie Ihrem Alter (Kinderwunsch?) richten.

Wie werden Myome behandelt?

Medikamente gegen Myome

Ärzte setzen bei Myomen Medikamente ein, welche die Produktion der weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron beeinflussen. Beispiele sind sogenannte GnRH-Analoga oder Ulipristalacetat (UPA). Sie beseitigen nicht die Myome selbst, sondern lindern nur die Symptome. So versuchen Ärzte beispielsweise, die Zeit bis zum Einsetzen der Wechseljahre zu überbrücken. Die Medikamente sind auch eine Möglichkeit, wenn die Myome später operiert werden sollen oder eine Operation nicht möglich ist.

Gegen Regelschmerzen helfen Schmerzmittel, zum Beispiel Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR). Häufig eingesetzte Wirkstoffe sind Acetylsalicylsäure, Iboprofen oder Diclofenac.

Myome entfernen mittels Operation

Myome können per OP aus der Gebärmutter beseitigt werden. Der Fachbegriff dafür lautet Myomektomie. Früher galt es als Standard, bei älteren Frauen ohne Kinderwunsch die Gebärmutter zu entfernen (Hysterektomie). Heute setzen Ärzte dagegen unabhängig vom Alter vermehrt schonende, minimal-invasive Verfahren ein, die nur die Myome entfernen.

Dabei schält der Chirurg das Myom beispielweise aus, und nimmt die sogenannte Myomenukleation vor. Die Gebärmutter bleibt dabei erhalten. Myome-OPs sind nur dann ratsam, wenn Medikamente nicht den gewünschten Erfolg bringen oder Frauen sie nicht einnehmen dürfen.

Wucherungen behandeln mit anderen Verfahren

Die Myom-Embolisation ist eine Therapiemöglichkeit, wenn Frauen sehr unter starker Regelblutung und heftigen Schmerzen leiden. Dieses Verfahren macht sich die Tatsache zunutze, dass Myome nicht ohne Blutzufuhr wachsen können. Der Arzt bringt winzige Kunststoff-Kügelchen in die Blutgefäße des Myoms ein. Diese Kügelchen verstopfen die Gefäße und blockieren so die Blutzufuhr zum Myom. Das Ergebnis ist, dass die Myome austrocknen, schrumpfen und in einigen Fällen vollkommen vernichtet werden.

Ebenfalls ist es möglich, die Myome mit Ultraschall zu behandeln. Bei diesem Verfahren lenkt der Arzt die Schallwellen eines sogenannten Magnetresonanz-geführten fokussierten Ultraschalls (MRgFUS) auf das Myomgewebe, das unter der großen Hitze abstirbt. Diese Methode funktioniert allerdings nur bei Tumoren bis maximal zehn Zentimetern Größe.

Homöopathie und Pflanzenheilkunde bei Myomen

In vielen Fällen ist ein Griff zu Medikamenten oder eine operativen Behandlung nicht nötig. Manchen Frauen behandeln ihre Myome nach Absprache mit ihrem Arzt mittels Homöopathie, Naturheilkunde oder anderen pflanzlichen Wirkstoffen. Ziel ist, diese mit „sanften“ Methoden unter Kontrolle zu halten, bis sie in den Wechseljahren von allein verschwinden.

Die Pflanzenheilkunde setzt bei Myomen auf Pflanzen wie Frauenmantel, Mönchspfeffer oder Schafgarbe, die Progesteron enthalten und in Form von Tinkturen, Tees oder Fertigpräparaten verabreicht werden. Auch Ingwer, Liebstöckel, Majoran oder Basilikum kommen zum Einsatz. Bei starken Blutungen können Präparate mit Blutwurz oder Hirtentäschel als Tinktur, Tee oder Fertigpräparat aus der Apotheke helfen.

Wärme hilft bekanntermaßen bei Unterleibsschmerzen, zum Beispiel in Form einer Wärmflasche oder eines Kirschkernkissens. Auch Bäder mit einem Zusatz mit Ackerschachtelhalm, Frauenmantel oder Schafgarbe sollen gut gegen Myom-bedingte Schmerzen sein.

Verbessert Grüntee-Extrakt die Lebensqualität bei Myomen?

Vor 2 Jahren startete die Berliner Frauenklinik eine spannende Studie, um die Wirkung des grünen Tees auf die Lebensqualität von Frauen zu untersuchen, die unter Myomen leiden. Prof. Jalid Sehouli. Leiter der Frauenklinik Charité, stellt die Ergebnisse der Myom-Anwenderbeobachtung in einem Interview auf dem tigovit-Youtube-Kanal vor.

Kann grüner Tee Frauen helfen, die mit Myomen leben? Die Antworten gibt es in diesem Video:

Verbessert sich die Lebensqualität von Frauen mit Myomen, die Grüntee-Kapseln einnehmen?

Kann ich mit meiner Ernährung das Myom-Wachstum steuern?

Dazu rät Prof. Ingrid Gerhard: „Eine Nahrungsumstellung bei Myomen muss unbedingt sein. An erster Stelle steht bei uns nach wie vor das Vitamin D. In der wissenschaftlichen Literatur häufen sich Hinweise dafür, dass Vitamin D ein ganz wichtiger Regulator des Östrogen- und Progesteron-Stoffwechsels ist, so dass eine konstant gute Vitamin-D-Versorgung vor Myomen schützt.

Vitamin D normalisiert die Hormonempfänglichkeit der Zellen. Das Verhältnis von Östrogen und Progesteron wird durch Vitamin D ausgeglichen. Und leider denkt jede/jeder, ein Tropfen Vitamin D wäre ausreichend. Das stimmt so nicht. Gerade wenn man schon eine Myom-Erkrankung hat, plädiere ich dringend dafür, dass man den Vitamin-D-Spiegel bestimmen lässt. Wenn er niedrig ist, sollte er durchaus mit hohen Konzentrationen verbessert werden. Ein guter Vitamin-D-Spiegel ist zunächst das A und O bei Myomen.

Weitere Nährstoffe, die für Frauen wichtig sind, sind Magnesium und Antioxidantien. Der Progesteronwechsel kann auch nur mit genügend Magnesium funktionieren. Es gibt auch konzentrierte Nahrungsergänzungen aus sekundären Pflanzenstoffen wie den Polyphenolen, die in Tomaten-, Granatapfel- und Grüntee-Extrakten zu finden sind und sehr wirkungsvoll sein können.“

Das ausführliche Gespräch mit Prof. Ingrid Gerhard:

Richtige Ernährung bei Myomen: Welche Nahrungsergänzungsmittel unterstützen die Frauengesundheit?

 

 

Quellen:

https://frauenklinik.charite.de/leistungen/myome/

https://www.zentrum-der-gesundheit.de/artikel/frauenbeschwerden/myome-die-richtige-ernaehrung-810102

https://www.healthline.com/health/fibroids-natural-treatment#natural-treatment

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6193285/

 

Foto von Polina Zimmerman von Pexels

Graphic by episy2 / pixabay.de

Photo: Blue Planet Studio / Shutterstock / 1250219029

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