Alles, was Sie über die Menopause wissen sollten


20. März 2021
Frau in den Wechseljahren

Für viele Frauen ist die Menopause ein Schreckgespenst. Aber das muss nicht sein. Mit dem richtigen Hintergrundwissen und Behandlungstipps, wie die Frau und auch der Mann gut durch die Menopause kommen, können Sie sich zurücklehnen. Wir haben Ihnen einen Überblick zusammengestellt, was Sie über die Menopause wissen sollten und einen absoluten Spezialisten, Dr. Armando Farmini aus Salzburg, mit seiner Erfahrung hinzugezogen. Also: Raus mit der Menopause aus der Tabu-Ecke!

Wann beginnt die Menopause in der Regel?

Die Menopause tritt ein, wenn eine Frau in 12 aufeinanderfolgenden Monaten nicht mehr menstruiert hat und auf natürlichem Wege nicht mehr schwanger werden kann. Es gibt viele Faktoren, die bestimmen, wann die Menopause beginnt, einschließlich der Genetik und der Gesundheit der Eierstöcke. Das Durchschnittsalter für die Menopause liegt tatsächlich bei 51 Jahren. Die Perimenopause (Vor-Menopause) ist eine Zeit, in der sich Ihre Hormone in Vorbereitung auf die Menopause zu verändern beginnen. Sie kann von einigen Monaten bis zu mehreren Jahren dauern.

Bei vielen Frauen beginnt die Perimenopause irgendwann nach Mitte 40. Andere Frauen überspringen die Perimenopause und kommen ganz plötzlich in die Menopause. Bei etwa 1 Prozent der Frauen beginnt die Menopause vor dem 40. Lebensjahr, was als vorzeitige Menopause oder primäre Ovarialinsuffizienz bezeichnet wird. Etwa 5 Prozent der Frauen kommen im Alter zwischen 40 und 45 Jahren in die Wechseljahre. Dies wird als frühe Menopause bezeichnet.

Die meisten Frauen beginnen etwa vier Jahre vor ihrer letzten Periode mit den ersten Symptomen der Wechseljahre. Die Symptome halten oft bis etwa vier Jahre nach der letzten Periode einer Frau an. Eine kleine Anzahl von Frauen erleben Menopause-Symptome bis zu 10 Jahre bevor sie dann tatsächlich auftritt. Und 1 von 10 Frauen erleben Menopause-Symptome für 12 Jahre nach ihrer letzten Periode.

Die 3 Phasen der Menopause

Dieser neue Lebensabschnitt kann in drei Stufen unterteilt werden: Während der Perimenopause werden die Monatsblutungen unregelmäßig. Die Periode kann sich verspäten, die Blutung kann stärker werden oder Sie können eine oder mehrere Perioden ganz auslassen. Die Menopause ist definiert als das Ausbleiben der Menstruation für ein ganzes Jahr. Und die Postmenopause bezieht sich auf die Jahre, nachdem die Menopause eingetreten ist.

Was ist der Unterschied zwischen Menopause und Wechseljahren?

Eine Frau kommt in die Wechseljahre, wenn ihre Eierstöcke beginnen, weniger weibliche Fortpflanzungshormone zu produzieren. Die sogenannten Wechseljahre, also der Übergang von der fruchtbaren zur unfruchtbaren Lebensphase, beginnen ungefähr im Alter von 45 bis 55 Jahren, bei manchen Frauen früher, bei anderen später.

Die Menopause hingegen ist ein klar definierter Zeitpunkt während der Wechseljahre, nämlich medizinisch gesehen die letzte Monatsblutung, auf die seit einem Jahr keine weitere Blutung stattgefunden hat.

Warum kommt es zur Menopause?

Die Menopause ist ein natürlicher Prozess im Leben eines jeden Menschen. Bei Frauen tritt es auf, wenn die Eierstöcke weniger Fortpflanzungshormone produzieren. Der Körper beginnt sich zu verändern, weil er beginnen muss, mit der Abnahme von verschiedenen Hormonen zurecht zu kommen. Diese abnehmenden Hormone sind:

  • Östrogen
  • Progesteron
  • Testosteron
  • Follikel-stimulierendes Hormon (FSH)
  • Luteinisierendes Hormon (LH)

Es kommt außerdem zum Verlust aktiver Ovarialfollikel, die Eizellen produzieren und die Menstruation und Fruchtbarkeit ermöglichen. Die meisten Frauen bemerken zuerst, dass ihre Periode unregelmäßiger wird. Dies tritt normalerweise irgendwann Mitte bis Ende der 40er Jahre auf.

In einigen anderen Fällen wird die Menopause von äußeren Faktoren ausgelöst oder durch eine Verletzung oder chirurgische Entfernung der Eierstöcke und der dazugehörigen Beckenstrukturen (auch vorzeitig) verursacht.

Was sind ihre Symptome?

Für viele Frauen ist eine medizinische Behandlung der Menopause nicht notwendig. Aber die Menopause kann auch unangenehme Symptome verursachen. Faktoren, die die Gesundheit der Eierstöcke beeinträchtigen, wie Krebs, eine Hysterektomie oder bestimmte Lebensgewohnheiten können diese erhöhen. Lesen Sie weiter, um zu erfahren, was Sie über die Symptome der Menopause wissen müssen.

Schätzungsweise 75 Prozent der Frauen erleben Beschwerden in den Wechseljahren. Die häufigsten Symptome der Menopause können sein:

  • Hitzewallungen
  • Schlaflosigkeit
  • Trockene Haut, Mund und Augen
  • Vaginale Trockenheit
  • Gewichtszunahme & reduzierte Muskelmasse
  • Depression & Angstzustände
  • Konzentrationsschwierigkeiten & Gedächtnisprobleme
  • Verminderte Libido oder Sexualtrieb
  • Haarausfall
  • Verstärkter Haarwuchs an anderen Körperstellen (Gesicht, Hals, auf der Brust)
  • Empfindliche Brüste
  • Herzrasen
  • Schmerzhafte oder steife Gelenke
  • Reduzierte Knochenmasse

Schlaflosigkeit

Komplikationen, die vermehrt während der Menopause auftreten können:

  • Schmerzhafter Geschlechtsverkehr
  • Verlangsamte Stoffwechselfunktion
  • Osteoporose oder schwächere Knochen
  • Stimmungsschwankungen
  • Parodontalerkrankung
  • Urin-Inkontinenz
  • Herz- oder Blutgefäßerkrankungen

Wie wird die Menopause diagnostiziert?

„Es gibt drei Arten der Diagnostik“, erklärt Dr. Armando Farmini, Gynäkologe und Spezialist für bioidentische Hormontherapie. „Was erzählt mir der Patient/die Patientin? Wie sieht der Patient/die Patientin aus und wie sind die Laborwerte? Am Aussehen des Menschen kann man unglaublich viel erkennen. Das Bindegewebe, die Augenbrauen oder die Haut zeigen mir im Vorfeld schon viel über den Zustand des Menschen, der in meine Praxis kommt.“ Die Laborwerte bestätigen meistens das, was der Körper anzeigt und der Patient erzählt.

Tests können hilfreich sein, die Perimenopause anzuzeigen, die auch negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben können. Ihr Arzt kann einen Speichel- oder Bluttest anordnen, der den Spiegel bestimmter Hormone misst, in der Regel FSH und eine Form von Östrogen namens Östradiol. Ein konstant erhöhter FSH-Blutspiegel von 30 mIU/ml oder höher, kombiniert mit dem Ausbleiben der Menstruation für ein Jahr in Folge, ist in der Regel eine Bestätigung der Menopause.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Beschwerden?

In die Menopause zu kommen heißt nicht automatisch, dass Sie zu Ihrem Arzt müssen. Ob Sie ein Behandlung nötig ist, hängt von einem entscheidenden Faktor ab: Haben Sie Beschwerden oder sind Sie beschwerdefrei?

Suchen Sie sich ärztliche Hilfe, wenn Ihre Symptome störend sind oder Ihre Lebensqualität beeinträchtigen. Eine Hormontherapie kann eine wirksame Behandlung zur Reduzierung oder Behandlung von diversen Symptomen sein. Dazu gehören Hitzewallungen, vaginale Atrophie oder Osteoporose. Andere Medikamente können eingesetzt werden, um spezifischere Symptome der Menopause zu behandeln, wie Haarausfall oder die vaginale Trockenheit.

Die Bedeutung von Progesteron

Progesteron ist ein sehr wichtiges Hormon, aber nur ein Teil des hormonellen Puzzles, den der Körper benötigt. Es hält das Gleichgewicht mit vielen anderen Hormonen wie Cortisol, Adrenalin, Insulin. Ohne das wertvolle Progesteron kann keine ausbalancierte Hormontherapie erfolgen. Aber warum wirken Progesteron-Präparate Cremes manchmal nicht?

„Es ist die Verarbeitung“, sagt dazu Dr. Farmini. „Alle Hormone, die transvermal gegeben werden, müssen hochgradig mikronisiert (verkleinert) sein. Ein wichtiger Punkt für eine gut funktionierende Hormontherapie ist die richtige Menge des Hormons. Und hier gibt es keine festgesetzte Dosierung.“ Diese müsse nach und nach vom Arzt ermittelt werden, bis der Patient beschwerdefrei ist.

Die beste Einnahmeform für das Progesteron ist nach Dr. Farmini übrigens die Creme. Als Kapseln geht das Hormon über den Magentrakt in die Leber. Es findet damit keine optimale Verwertung des Progesteron statt.

Natürliche Mittel & Tipps, um besser durch die Menopause zu kommen

Grundsätzlich können Sie mit einer gesunden Lebensweise Ihr Wohlbefinden steigern. Aber auch praktische Tipps können helfen, den Alltag so angenehm wie möglich zu machen. Deswegen hier ein paar Ideen, um leichter durch die Menopause zu kommen.

Bleiben Sie „cool“

Tragen Sie lockere, mehrschichtige Kleidung, besonders nachts und bei warmem oder unbeständigem Wetter. Dies kann Ihnen helfen, Hitzewallungen zu bewältigen. Halten Sie Ihr Schlafzimmer kühl und vermeiden Sie schwere Decken in der Nacht, um das Risiko von nächtlichen Schweißausbrüchen zu verringern.

Bewegung ist „King“

Treiben Sie Sport und reduzieren Sie Ihre tägliche Kalorienzufuhr um 400 bis 600 Kalorien, um Ihr Gewicht zu kontrollieren. Wichtig ist auch, dass Sie sich täglich 20 bis 30 Minuten sportlich bewegen. Sie bekommen so mehr Energie, schlafen besser, Ihre Laune steigt und Sie fühlen sind insgesamt wohler in Ihrer Haut.

Sprechen Sie es aus!

Sollten Stimmungsschwankungen und depressive Verstimmungen Sie belasten, lassen Sie das nicht auf sich sitzen. Holen Sie sich Unterstützung, indem Sie Ihre Bedürfnisse mehr kommunizieren. Sprechen Sie mit einem Therapeuten oder Psychologen über Ihre Gefühle. Sie sollten auch versuchen, mit Ihrer Familie und den nahestehenden Personen darüber zu reden, wie es Ihnen geht.

Achten Sie noch mehr auf Ihre Ernährung!

„Schnell, schnell und busy“ galt früher als Zeichen, dass wir begehrt sind und mitten im Leben stehen. Das hat sich geändert. Denn seit einiger Zeit ist Achtsamkeit und Bewusstsein „the new sexy“. Nutzen Sie diese Phase Ihres Lebens, um noch genauer hinzusehen. Wie hochwertig ist Ihre Ernährung? Welche Essgewohnheiten rauben Ihnen Energie? Achten Sie darauf und bringen Sie Qualität auf den Teller.

Heilende Kräuter bei Menopause

Ergänzen Sie Ihre Ernährung und nehmen Sie Kalzium-, Vitamin-D– und Magnesiumpräparate zu sich, um Ihr Osteoporose-Risiko zu senken und Ihr Energieniveau und Ihren Schlaf zu verbessern. Studien empfehlen zudem pflanzliche Mittel für Wechseljahrsbeschwerden, die durch Östrogenmangel verursacht werden. Nährstoffe, die helfen können, sind Leinsamen, Melatonin, Soja und Isoflavone. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Nahrungsergänzungsmittel, die Sie bei Ihren individuellen Gesundheitsbedürfnissen unterstützen.

Gönnen Sie Ihrer Haut die Pflege, die sie braucht

Die Menopause ist kein Grund, Sorgen- oder Kummerfalten zu bekommen. Ganz im Gegenteil: Wie immer kommt es auf die innere Haltung an und eine souveräne und entspannte Ausstrahlung macht attraktiv, egal welches Geburtsjahr auf der Urkunde steht. Vielmehr ist jetzt die Zeit, mit noch mehr Liebe zu sich selbst, die Pflegeroutine einem Check zu unterziehen.

Tragen Sie täglich Feuchtigkeitscremes auf, um die Trockenheit der Haut zu reduzieren. Sie sollten auch übermäßiges Baden oder Schwimmen vermeiden, da dies Ihre Haut austrocknen oder reizen kann.

Finger weg von Nikotin und zu viel Alkohol

Nikotin ist in keiner Lebensphase wirklich gut. Aber wer noch nicht mit dem Rauchen aufgehört hat, sollte spätestens in der Menopause überlegen, mit dem Qualmen aufzuhören. Zigaretten verschlimmern die Beschwerden während der Menopause. Dies gilt übrigens auch für das Passivrauchen. Starker Alkoholkonsum kann zusätzlich das Risiko für gesundheitliche Probleme in der Menopause erhöhen.

Trinken Sie genug und das Richtige!

Besonders während der Wechseljahre sollten Sie darauf achten, ausreichend zu trinken. Das bedeutet: täglich zwei bis drei Liter Flüssigkeit wie Mineralwasser oder gesunde, zuckerfreie und frische Säfte. Trinken hilft nicht nur dem allgemeinen Stoffwechsel, sondern wirkt auch einem Austrocknen der Haut entgegen.

Eine aktuelle Studie zeigt außerdem, was Frauen schon vor dem Eintreten der Menopause trinken sollten: Tee! Frühere Forschungen haben darauf hingewiesen, dass Teekonsum mit einer besseren Knochendichte bei Frauen nach der Menopause verbunden ist.

Eine neue Beobachtungsstudie, die in der Zeitschrift Nature Communications veröffentlicht wurde, zeigt, dass Frauen vor der Menopause mit dem Teetrinken beginnen müssen, damit signifikante Unterschiede auftreten. Interessant ist dass keine Teesorte besonders herausstach, sondern der positive Effekt auf die Knochen unabhängig des Tees beobachtet wurde.

Ab ins Rampenlicht des Lebens!

Vergessen Sie nicht: Jeder Mensch, jeder Körper ist anders und reagiert individuell auf äußere Einflüsse. Daher lassen Sie sich ruhig von Ihrem Arzt begleiten, um leichter durch die Wechseljahre zu kommen.

Die Wechseljahrs-Symptome sind vielseitig wie die Menschen, die sie erleben dürfen. Und genau so viele Mittel und Wege gibt es, mit denen Sie diesen entspannt entgegentreten können. Jeder Körper ist anders. Nutzen Sie diese Phase. Wenn in den früheren Lebensabschnitten andere Menschen, Ihr Beruf oder die Kinder im Mittelpunkt standen, dann ist jetzt vielleicht eine Zeit gekommen, auf die spannendste Entdeckungsreise Ihres Lebens aufzubrechen: Zu Ihnen selbst!

 

Quellen:

https://www.nature.com/articles/s41430-021-00856-y

https://www.nutraceuticalsworld.com/contents/view_breaking-news/2021-03-09/temp-title-593183/?widget=listSection

https://www.womenshealth.gov/menopause

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2644382/

 

Bilder:

Pic by Kanea/shutterstock_1148614526

Photo by We-Vibe WOW Tech on Unsplash

Photo by Anne Nygård on Unsplash

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